Klinische Studien der vergangenen Jahrzehnte zeigten, dass Akupunktur bei Erkrankungen wie COPD (eine chronische Lungenerkrankung), chronische Schmerzen oder Verstopfung vorteilhafte Auswirkungen haben kann. Viele Medizinzentren arbeiten bereits mit Akupunktur, vor allem bei Schmerzen am Bewegungsapparat wie in Rücken, Schulter, Hüfte und Knie.
Um nachzuweisen, dass Akupunktur wirklich wirksam ist, haben Forscher die Akupunktur mit traditionellen Akupunkturpunkten mit der Scheinakupunktur verglichen. In der traditionellen chinesischen Medizin geht man davon aus, dass die Aktivierung von Akupunkturpunkten mit feinen Nadeln dazu beiträgt, den Qi-Fluss (Fluss der Lebensenergie) des Körpers wieder herzustellen. Hingegen führt der Akupunkteur bei der Scheinbehandlung zwar ebenfalls Nadeln durch die Hautoberfläche, vermeidet jedoch bewusst etablierte, traditionelle Akupunkturpunkte.
Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2018 mit über 20‘000 Patienten in 39 hochwertigen randomisierten kontrollierten Studien ergab, dass die Akupunktur der Scheinakupunktur überlegen war. Patienten, die eine Akupunkturbehandlung mit Nadeln an klassischen Akupunkturpunkten erhielten, erfuhren eine Verbesserung ihrer Beschwerden. Sie berichten von weniger Schmerzen und mehr Beweglichkeit. An der Studie nahmen Patienten teil, die unter Rücken- und Nackenschmerzen, Arthrose, Kopf- und Schulterschmerzen litten. Ein ähnlich positives Ergebnis zeigte sich im Vergleich zwischen der Patientengruppe, die klassische Akupunktur erhielt und derjenigen Patientengruppe, die keine Akupunktur erhielt, auch keine Scheinakupunktur. Die positiven Ergebnisse blieben grösstenteils über einen längeren Zeitraum (teilweise bis zu 12 Monate nach der Behandlung) bestehen. In einer weiterführenden Analyse wurde die Reaktion von Nervenrezeptoren beobachtet.
Die Vermutung liegt nahe, dass das verbesserte Schmerzempfinden, von dem die Patienten berichten, eine Reaktion der Gehirntätigkeit auf die Akupunkturbehandlung ist. Durch eine Akupunkturbehandlung werden diese durch den Nadelreiz aktiviert. Interessant ist, dass besonders jene Rezeptoren für eine Veränderung der Hirnaktivität sorgen, die Opioide binden. Opioide sind körpereigene Peptide, die im Rahmen einer Stressantwort vom Körper ausgeschüttet werden und dazu dienen, Schmerzen im Körper zu kontrollieren.
Auch die Elektroaktupunktur, bei der die Nadeln mit kleinen elektrischen Strömen stimuliert werden, beeinflusst verschiedenen Bereiche im Gehirn. Mithilfe funktioneller MRT-Bildgebungsverfahren fanden Forscher heraus, dass die Übertragung der Nadelstimulation zu einer Veränderung in der Grosshirnrinde führt. Die Stimulation sorgt dafür, dass sich im Wesentlichen das Schmerznetzwerk neu verbindet und verdrahtet. Es wird eine neue Verhaltensweise gegenüber Schmerzzuständen im Gehirn programmiert. Dies geschieht durch die Übertragung elektrischer Signale im Nervensystem, das mit dem jeweiligen Akupunkturpunkt verbunden ist. Das bedeutet, dass Akupunktur dort wirken kann, wo die Nadel lokal platziert wird, aber auch auf Körperteile, die sich nicht in der Nähe dieser Stelle befinden, aber über das Nervensystem miteinander verbunden sind.
Die Weltgesundheitsorganisation anerkennt 361 standardisierte Akupunkturpunkte am menschlichen Körper. Sie alle reagieren auf Stimuli wie Druck, Hitze oder Elektrizität. Viele der Akupunkturpunkte weisen eine hohe Dichte an Nervenenden und Mastzellen auf. Die Stimulation dieser Bereiche sorgt dafür, dass Chemikalien, wie beispielsweise Hormone und Botenstoffe im Körper freigesetzt werden und somit entsprechend schmerzlindernd wirkt.
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Quellen:
NCA - Acupuncture for Chronic Low Back Pain (CAG-00452N) - Decision Memo (cms.gov)
A randomized, placebo-controlled trial of acupuncture in patients with chronic obstructive pulmonary disease (COPD): the COPD-acupuncture trial (CAT) - PubMed (nih.gov)
Acupuncture for Chronic Severe Functional Constipation: A Randomized Trial - PubMed (nih.gov)
Acupuncture: theory, efficacy, and practice - PubMed (nih.gov)
Acupuncture for chronic pain: update of an individual patient data meta-analysis - PMC (nih.gov)
Traditional Chinese Acupuncture and Placebo (Sham) Acupuncture Are Differentiated by Their Effects on μ-Opioid Receptors (MORs) - PMC (nih.gov)
Greater Somatosensory Afference With Acupuncture Increases Primary Somatosensory Connectivity and Alleviates Fibromyalgia Pain via Insular γ-Aminobutyric Acid: A Randomized Neuroimaging Trial - PubMed (nih.gov)
Rewiring the primary somatosensory cortex in carpal tunnel syndrome with acupuncture - PubMed (nih.gov)