Neurodermitis und Urtikaria (Nesselsucht) aus Sicht der TCM

Neurodermitis und Urtikaria können mit starkem Juckreiz, Rötungen und Hautreizungen verbunden sein und die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen. Die Traditionelle Chinesische Medizin betrachtet Hauterkrankungen ganzheitlich und bezieht unter anderem Verdauung, Ernährung und Stress in die Behandlung ein. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Ursachen aus Sicht der TCM eine Rolle spielen und welche Therapien unterstützend wirken können.

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Nahaufnahme der rauen Struktur einer Baumrinde.

Neurodermitis ist eine Hauterkrankung, die auch atopisches Ekzem genannt wird. Die Schutzfunktion der Haut ist gestört, so dass sie nur unzureichend gegen äussere Einflüsse gewappnet ist. Eine genetische Veranlagung, Umweltfaktoren wie Klima und Wetter, psychischer Stress, chemische Reize von Wasch- und Duschmitteln können einen Einfluss auf den Hautzustand haben. Die Symptome bei Neurodermitis verändern sich ständig. Hierzu gehören trockene und sensible Haut, Juckreiz, Rötungen, schuppige und nässende Hautstellen. 

Aus Sicht der TCM spielt bei Neurodermitis der Darm eine grosse Rolle. Ist die Verdauungsfunktion schwach, übernimmt die Haut stellvertretend für den Darm einen Teil der Verdauungsfunktion. Ist die Verdauungsfunktion schwach, spricht die TCM von Feuchtigkeit, die sich im Verdauungssystem ansammelt. Im Fachchinesisch heisst die Diagnose dann Milz-Qi-Mangel. Die Reaktion über die Haut zeigt sich in Prusteln, nässendem Ekzem, Entzündungen oder Rötungen. 

Die Ernährung ist ein entscheidender Therapiebaustein in der TCM. Patienten, die an Neurodermitis leiden, empfehlen wir deshalb, auf Lebensmittel zu verzichten, die erhitzende Wirkung haben oder sehr verschleimend wirken. Scharfe Gewürze wie Chili, Pfeffer, Knoblauch, Curry, Ingwer aber auch Alkohol und Kaffee wirkend erhitzend. Zucker, Weizen, Wurstwaren und Schweinefleisch wirken verschleimend. Auch empfiehlt es sich, Kuhmilch und Käse zu reduzieren, da Kuhmilch pathogene Feuchtigkeit im Körper erzeugt. Besser sind Käsealternativen von Schafs- und Ziegenmilch. Um die Verdauungskraft zu stärken und Feuchtigkeit zu reduzieren, empfehlen wir unseren Patienten aussdem ein gekochtes Frühstück. Haferporridge, Dinkelgriesbrei oder auch Pikantes wie Rührei mit Gemüse oder Linsensuppe und Reissuppe sind eine gute Alternative. Käsebrot, Wurstbrot und Marmeladenbrot sind schwer bekömmlich und erzeugen Feuchtigkeit im Körper. Alternativen wie Reis, Hirse oder Quinoa wirken sich förderlich auf Hautbeschwerden aus. Süssigkeiten wirken ebenfalls sehr ungünstig auf die Verdauung. Stattdessen wären Trockenfrüchte hochwertige Bitterschokolade eine Variante, um die Lust auf Süsses zu reduzieren. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren wie Omega 3 sind wichtig für die Haut bei Neurodermitis. Supplemente oder regelmässiger Verzehr von Kaltwasserfisch, Leinsamen und Chiasamen, Saaten und Nüssen sorgen dafür, dass unser Körper mit den wertvollen Fettsäuren versorgt ist.

Wahrscheinlich haben Sie selbst schon Erfahrung damit, dass Stress für die Haut weniger förderlich ist. Stress wirkt aus Sicht der TCM erhitzend. Auf Zorn, Wut und Ärger reagiert das Hautgeschehend verschlimmernd. Aber auch Traurigkeit und ständiges Sorgen oder Probleme wälzen sorgen für Stagnation der wertvolle Lebensenergie „Qi“. Entspannungsübungen wie autogenes Training, Yoga, oder Meditation unterstützen das Nervensystem. Tragen Sie ausserdem hautfreundliche  und atmungsaktive Textilien, am besten aus Baumwolle, den Aussentemperaturen entsprechend angepasst. Achten Sie beim Einkauf von Wasch- und Duschmittel auf das Allergie-Gütesiegel. Bei aktiven Schüben mit Juckreiz und Hitzegefühl kühlen Sie die entsprechenden Hautstellen. Sie können auch Umschläge mit Salben, Kochsalz oder Grüntee auflegen.

Urtikaria (Nesselsucht oder Nesselfieber) ist eine krankhafte Reaktion von Haut und Schleimhäuten mit Rötungen, Quaddeln, Gewebeschwellung und Juckreiz. Es gibt unterschiedliche Verläufe. Die akute Urtikaria dauert meist nur wenige Tage, die chronische Form hält länger als sechs Wochen an, oftmals auch Jahre. Meist tritt Urtikaria als Symptom einer Allergie auf Nahrungsmittel, Insektengifte oder Medikamente auf. Aber auch Infektionen, Reize wie beispielsweise Kälte, Wärme, Licht, Reibung und Druck können Symptome auslösen. Auch Autoimmunprozesse oder Stress werden dafür verantwortlich gemacht. 

Sowohl bei Neurodermitis als auch bei Urtikaria verschreibt die Schulmedizin Antihistaminika. Kurzfristig werden zusätzlich manchmal Kortison-Präparate eingesetzt. Die Traditionelle Chinesische Medizin betrachtet das Krankheitsgeschehen anders. Chinesische Klassiker wie der Gelbe Kaiser beschrieben bereits um 200 vor Christus die Erkrankung. Nesselsucht wird ähnlich wie Heuschnupfen als eine Windschädigung angesehen wird. In der chinesischen Medizin ist Wind (feng) ein krankheitsauslösender Faktor, der von aussen kommt. Windschädigungen zeigen sich durch plötzliches Auftreten der Beschwerden, die rasch die Lokalisation wechseln und mit heftigem Juckreiz verbunden sind. Blutstagnation zusammen mit Hitze begünstigen das Auftreten - vor allem an Haut und Schleimhäuten. Bei der Therapie kommen unterschiedliche Methoden zum Einsatz. Bei der Akupunktur geht es beispielsweise hauptsächlich darum, den Wind aus der Oberfläche der Haut auszuleiten. Häufig verwendete Akupunkturpunkte tragen Namen wie „Pforte des Windes“, „Marktplatz des Windes“ oder „Teich des Windes“. Auch soll die Hitze gekühlt und die Haut gekühlt werden. Individuelle Kräutermischungen kommen ebenfalls zum Einsatz. Es kommen Kräuter zum Einsatz, die Wind vertreiben , die Hitze reduzieren und ausleiten und Juckreiz lindern. Auch empfehlen wir den Patienten, erhitzend wirkende Lebensmittel zu vermeiden. Hierzu zählen scharfe Gewürze, Knoblauch, Alkohol und Kaffee. Kühlende Nahrungsmittel wie Salatgurke, Melone oder grüner Tee sind empfehlenswert im Akutstadium. 

Haben Sie Hautbeschwerden und quälen sich mit Juckreiz, Rötungen und Schwellungen? Die Heuschnupfen-Saison steht vor der Tür und wir unterstützen Sie gerne in unserer Praxis mit unserem breiten Fachwissen. Akupunktur und Kräutermedizin wirkt hervorragend bei der Bekämpfung der lästigen Allergie-Symptome. Unsere Therapeutin Iris Kraaz hat ihre Kräuterausbildung erfolgreich abgeschlossen und kann ab sofort TCM-Kräuterrezepturen verschreiben. Diese können Sie über ihre Krankenzusatzversicherung abrechnen.