Aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin sorgen Yin- und Blutmangel dafür, dass das Nervensystem überreizt reagiert. Beide Körpersäfte wirken kühlend auf den Körper. Ist zu wenig Blut oder Yin vorhanden, zeigen sich die Mangelzustände in Form von innerer Hitze. Wenn wir uns das Nervensystem bildlich vorstellen, müssen Nerven in ausreichend Blut ruhen können, damit sie gekühlt und genährt bleiben. Ist zu wenig Kühlflüssigkeit in Form von Blut und Yin vorhanden, werden Nerven trocken, dünn und zittrig. Entsprechend fragil zeigt sich das Nervensystem bei diesen Personen.
Der leistungsfördernde Teil des unwillkürlichen, vegetativen Nervensystems (Sympathikus) ist unser Überlebenssystem bei Gefahrensituationen. Wir können fliehen oder kämpfen, wenn wir in Bedrängnis geraten. Hierfür wird Herzfrequenz und Blutdruck erhöht und die Muskulatur maximal durchblutet. Der Körper wird mit dem Stresshormon Cortisol geflutet. Wenn die Gefahr vorüber ist, wird die Erholung des vegetativen Nervensystems durch den Parasympathikus ausgelöst. Befinden sich Körper und Geist in ständiger Alarmbereitschaft finden wir im Blut erhöhte Cortisolwerte, die sich über einen längeren Zeitraum schädlich auf den Körper auswirken können. Es empfiehlt sich, Ruhe und Achtsamkeit in den Alltag einzuladen. Kleine regelmässige Pausen während der Arbeit wirken sich förderlich auf unsere Leistungsfähigkeit aus. Aber auch ein kurzer Mittagsschlaf („Powernapping“) lädt die eigenen Batterien wieder auf. Ein Spaziergang oder Körperübungen wie Yoga, Tai Chi oder Qi Gong – am besten an der frischen Luft – sorgen für tiefe, konzentrierte und bewusste Atmung und können in die Mittagspause integriert werden. Ebenfalls trägt eine gesunde Schlafhygiene zur Nervenberuhigung bei. Grundsätzlich ist es empfehlenswert, immer zur gleichen Zeit schlafen zu gehen, am besten weit vor Mitternacht. Blut und Yin erholen sich im Schlaf und die Entgiftungsvorgänge von Leber und Gallenblase arbeiten maximal während der Nachtstunden zwischen 23 und 3 Uhr.
Die Ernährung ist als ein wichtiger Teil des Lebensstils anzusehen. Gewisse Nahrungs- und Genussmittel wirken anregend auf Körper und Geist und sollten bei innerer Unruhe mit Vorsicht genossen werden. Dass Kaffee, Schwarztee, Energydrinks, Cola und Alkohol eher anregend wirken, ist nicht neu. Aber wussten Sie, dass scharfe Gewürze, Kakao, Knoblauch, Zwiebeln, Zimt, Nelken und Ingwer ungünstig sind, wenn Sie ohnehin schon überreizt sind und nur schwer zur Ruhe kommen? Auch Fleisch hat aus Sicht der TCM eine anregende Wirkung, besonders wenn es mit viel Hitze zubereitet wird, also in gegrillter, gebratener oder frittierter Form gegessen wird. Weisser Zucker und Fertigprodukte haben ebenfalls eine anregende (und zusätzlich äusserst ungesunde) Wirkung auf den Stoffwechsel und sollten vermieden werden. Eine Reihe von Nahrungsmittel hingegen wirken sich positiv und beruhigend auf die Nerven aus. Dazu gehören naturbelassene Cashewnüsse, kühlendes Gemüse wie Chinakohl, Stangensellerie, Kopfsalat und rote Beete. Ausserdem Weintrauben, Rosinen, Melone, Weizen und Reis. Bier – vor allem Weizenbier - hat eine beruhigende und kühlende Wirkung auf Körper und Geist. Selbstverständlich kommt es dabei auf die getrunkene Menge an, da der enthaltene Alkohol zusätzlich anregend und wärmend wirkt. Ein Glas Bier an einem warmen Sommerabend ist aber durchaus wohltuend zur Geistberuhigung.
Interessant ist, dass die Akupunktur beruhigend auf das Nervensystem wirkt. Die gezielt gesetzten Akupunkturnadeln aktivieren den Vagus Nerv, welcher jene Funktionen im Körper steuert, die zur Regeneration und Erholung beitragen. Dieser wichtige Nerv hat eine Blutdruck und Herzfrequenz senkende Wirkung, er regt die Verdauung und das Immunsystem an und beruhigt die Atmung. In der Akupunktur gibt es zwei sehr wirkungsvolle Punkte, die häufig eingesetzt werden, um innere Unruhe aufzulösen.
Herz 7 „Shenmen – Tor des Geistes“
Shenmen bedeutet so viel wie „Göttliches Tor“ und ist einer der Psychopunkte in der Akupunktur. Er befindet sich an der Seite des kleinen Fingers, auf Höhe der inneren Handgelenksfalte, vor dem Os pisiforme (Erbsenbein) in einer Vertiefung, die radial des Sehnenansatzes liegt. Er ist einer der wichtigsten Punkte zur Beeinflussung der Psyche, da er das Herzblut aufbaut und den Geist beruhigt. Er hilft bei Unruhe, Sorgen, Stress, Reizbarkeit, Depression, Ängstlichkeit, Schlafstörungen, Gedächtnisschwäche und Stimmungsschwankungen.
Dünndarm 3 „Houxi – hintere Schlucht“
Er ist der Schlüsselpunkt zum Lenkergefäss Du Mai und wird eingesetzt, um den Geist zu klären und Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Bei locker geballter Faust entstehen am kleinen Finger mehrere Falten. Der Punkt befindet sich an der körpernahen Falte, hinter dem Grundgelenk des kleinen Fingers, an der Grenze von roter zu weisser Haut.
Grundsätzlich ist es immer ratsam, die eigene Mitte zu stärken. Die Mitte ist aus Sicht der TCM unser Verdauungssystem mit Magen, Milz und Pankreas. Sind diese Organe konstitutionsgerecht gestärkt, kann uns so schnell nichts aus dem Gleichgewicht bringen. Unsere Broschüre „Ohne Druck zum Punkt – Praxisbuch Ernährung“ enthält eine Vielzahl an Verhaltensweisen und Rezepten, die Ihnen helfen, trotz Stress und Alltagsbelastung in Ihrer Mitte zu bleiben. Für einen Unkostenbeitrag von 3.—SFr können Sie diese über unsere Praxis Druckpunkt beziehen. Sprechen Sie uns gerne darauf an!