Tatsache ist, dass sich Übergewicht und Fettleibigkeit wie eine Epidemie rund um den Globus verbreiten. Bereits ein Drittel der Weltbevölkerung ist zu dick – eine alarmierende Zahl. Als Kriterium für Übergewicht nutzen Wissenschaftler den sogenannten Body-Mass-Index (BMI), der sich aus Körpergrösse und Körpergewicht eines Menschen ableitet. Wer einen BMI zwischen 25 und 29,9 hat, gilt als übergewichtig. Bei Werten ab 30 spricht man von Fettleibigkeit oder Adipositas. Mehr als 2 Milliarden Menschen weltweit bringen zu viel Gewicht auf die Waage. Daraus lässt sich ableiten, dass unser Körpergewicht zu einem immer drängenderen Problem wird – nicht nur bei dem morgendlichen Anblick der Personenwaage. Zugegeben, es gibt Frauen, die sich auch mit 52 kg zu dick finden, doch hier geht es nicht um absurde Schönheitsideale der „Size Zero“ Modeindustrie. Vielmehr führt ein zu hohes Körpergewicht zu erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität und gilt als Risikofaktor für chronische Krankheiten wie Diabetes, koronarer Herzerkrankung, Hypertonie, Arthritis und bestimmte Krebsarten.
Genetische Faktoren, unausgewogene Ernährung, ein Überangebot an energiereicher Nahrung und vor allem viel zu wenig Bewegung sind die begünstigenden Faktoren für Übergewicht. Zu süss, zu fettig, zu viel. Eingefleischte Gewohnheiten wie Industrienahrung, Fastfood, Alkohol, zu hastiges und unregelmässiges Essen schädigen aus Sicht der TCM Milz und Magen, was die Entstehung von Feuchtigkeit und Schleim begünstigt. Westlich wird auch oft von Verschlackung gesprochen. Die Transformation der aufgenommenen Nahrung läuft durch die geschwächte Verdauungskraft unvollständig ab. Aber auch ein Zuviel an Rohkost, Südfrüchten, kalter Nahrung und Milchprodukten belasten über längere Zeit den Körper. Es entstehen Blähungen und der Stuhl wird breiig oder klebrig und beinhaltet unverdaute Nahrungsbestandteile. Mässig aber regelmässig, frisch und schonend verarbeitet, nährend und bekömmlich soll unsere Nahrung sein. Nahrung, die im Einklang mit der Natur steht – symbolisch gesehen essen wir Himmel und Erde. Es geht um richtiges Weglassen des Unwesentlichen. Dann werden Lebensmittel zu Heilmittel.
Unterstützung durch Akupunkturbehandlung
Die zeitliche Länge einer Akupunkturbehandlung kann zur Geduldsprobe werden. Gewicht abnehmen ist ein Prozess, der über einen langen Zeitraum hinweg dauert. Dementsprechend müssen Patienten bereit sein, ihre Gewohnheiten anzupassen. Ohne Ernährungsumstellung und Bewegung im Alltag funktioniert es nicht. Das jeweilige Therapieprinzip besteht darin, Hitze in Magen und Darm zu klären, die Funktion von Qi, Blut, Yin und Yang zu stärken und zu regulieren sowie Stagnationen zu beseitigen. Die TCM versucht, Harmonie herzustellen. Bei der Akupunkturbehandlung finden häufig vor allem Punkte der Magen- und Milzleitbahn Anwendung in Kombination mit Punkten, die einen Einfluss auf die Transformation der Körperflüssigkeiten nehmen. Magenpunkte tragen Namen wie „Willkommen heissen des Menschen“, „Schatzkammer“ und „Aufnahme der Fülle“ und zeigen eine Befriedigung, wie sie aus einer guten Ernte stammt und weniger von sinnlosem Überfluss geprägt ist.
Da die TCM bei der Betrachtung von Gewichtsproblemen und Fettleibigkeit emotionale, psychische und körperliche Aspekte integriert, kann sie vielen Patienten eine grosse Hilfe anbieten. Verschiedene Körpertypen haben eine unterschiedlich starke Tendenz zu Übergewicht, die sich häufig bereits im Kindesalter zeigen. Somit hat Übergewicht zweifellos auch eine genetische Komponente. Die TCM kennt eine Vielzahl von Systemen zur Einteilung der Körpertypen. Eines orientiert sich an den fünf Wandlungsphasen. Somit hat der Erde-Typ ein rundes Gesicht mit grossem Kopf, einen grossen Bauch aber kleine Hände und Füsse. Er hat viel Fleisch und ist am ganzen Körper dick. Der Wasser-Typ im Vergleich hat ebenfalls einen grossen Bauch, dazu aber schmale Schultern. Meist ist er nur am Bauch dick. Jeder Mensch hat Teile seiner Persönlichkeit, seiner Gefühlswelt, die er mit aller Macht zu verdrängen versucht. Häufig geschieht diese Verdrängung durch Ablenkung. Jedem Gang zum Kühlschrank liegt zwar immer ein Bedürfnis zu Grunde, aber nicht unbedingt immer eines, das wir nicht anders erfüllen könnten. Warum essen wir? Aus Langeweile? Einsamkeit? Ablenkung? Die innere Mitte, die der Erde zugeordnete Richtung, garantiert doch eigentlich Balance. Wo ist unser Erdelement entgleist – wofür steht das Bedürfnis nach Sättigung? Es braucht Ehrlichkeit und Stille, um die Melodie unseres Körpers wieder zu hören. Nur wenn wir uns selbst anerkennen und achten, werden wir Erfüllung in unserem Dasein finden und können das Leben und die Schöpfung lieben. Wer sich selbst nicht liebt, erlebt sich im Mangel und muss das Loch stopfen. Permanent. Mit allem Möglichen. Nur ist es wahrscheinlich nicht das, was er wirklich braucht. Wir selbst gestalten die Umstände in Zeiten des Überflusses.