Zu den fünf Elementen zählen: Wasser, Holz, Feuer, Erde und Metall. Im Folgenden möchten wir versuchen, Ihnen die Elemente etwas näher zu bringen. Wobei es sich nicht um Elemente im klassischen Sinne handelt. Wenn wir versuchen, die Elemente als zeitliche Abläufe anzusehen, nähern wir uns der daostischen Anschauung, die die 5 Elemente als Phasen des Wandels betrachtet – die 5 Wandlungsphasen.
Das Element Wasser
Dem Wasserelement wird die stillste und dunkelste Zeit des Jahres zugeordnet. Dementsprechend finden wir hier den kürzesten Tag zur Wintersonnenwende am 21. Dezember. Betrachten wir den Zyklus der Natur, können wir erkennen, dass sich Tiere, Bäume und sämtliche Energien nach innen zurückziehen. Das Wasserelement steht für Regeneration und Konzentration, um sich auf den bevorstehenden Frühling vorzubereiten. Alles kommt zur Ruhe und verwendet minimale Energiereserven. Dem Wasserelement wird das paarige Organ der Nieren sowie die Harnblase zugeordnet. Es wird auch als grosses Yin bezeichnet. Yin besitzt eine empfangende Kraft. Sie ist passiv und ruhig. Aus Sicht der TCM sind die Nieren der Speicherplatz für unsere ererbte Energie. Sie beschreibt unsere Konstitution, die wir von unseren Eltern erhalten haben. Ist die Nierenenergie aufgebraucht, stirbt der Mensch. Je achtsamer wir mit unserer Nierenenergie umgehen, desto länger können wir von ihr zehren. Durch Ernährung, Atemübungen und moderater körperlicher Betätigung können wir diese Energie aufbauen. Körperlich ist das Wasserelement den Knochen, Zähnen und dem Kopfhaar zugeordnet. Älter werden bedeutet, dass Zahnsubstanz abgebaut wird, Haare ergrauen oder ausfallen, Knochen brüchig werden und Knochensubstanz abgebaut wird. Treten Erkrankungen wie Osteoporose, Rückenschmerzen, Kniebeschwerden oder frühzeitiges Ergrauen bereits in frühen Lebensphasen auf, ist dies ein Zeichen, dass die Nierenenergie abnimmt. Die fehlende Vitalität entsteht aufgrund eines unpassenden Lebenswandels. Stress, Zeitdruck, Schlafmangel, falsche Ernährung begünstigen den Abbau der Nierenkraft. Den Nieren wird der salzige Geschmack zugeordnet. Algen und Meeresfische stärken die Nieren, ebenso mit Zeit, Freude und in schönem Ambiente die Mahlzeiten einzunehmen. Die den Nieren zugehörige Emotion ist die Angst. Dahinter steckt oftmals ein mangelndes Vertrauen in das Leben, eine fehlende Verwurzelung mit Mutter Erde. Angst, Furcht und Phobien schwächen die Nieren.
Das Element Holz
Das Holzelement wird dem Frühling zugeordnet. Würde man ihm ein Datum geben, wäre es die Tag-und-Nacht-Gleiche am 21. März. Hier beginnt die Zeit, an dem die Tage wieder länger werden als die Nächte. Der Frühling ist angekommen. Die Holzenergie ist stark und expansiv. Nach einer langen Winterphase, in der das Yin überwiegt, wird im Frühling das Yang wieder zur treibenden Kraft. Somit erhält der Frühling die treffende Bezeichnung des „Kleinen Yang“. Pflanzen treiben durch den Boden an die Oberfläche in die Sichtbarkeit, die Natur beginnt mit neuem Leben. Die Holzenergie hat die Aufgabe, Mensch und Natur anzutreiben und zu bewegen – auf körperlicher und geistiger Ebene. Der holzbetonte Mensch braucht deswegen viel Bewegung. Wir finden hier dominante, zielstrebige und willensbetonte Menschen, die nicht selten mit dem Kopf durch die Wand wollen. Wut, Zorn und Aggression sind die Emotionen, die dem Holzelement zugeordnet werden. Der Choleriker wäre die ausgeprägteste Form eines Menschen, dessen Holzenergie in Ungleichgewicht geraten ist. Die entsprechenden Organe sind Leber und Gallenblase. In unserer westlichen Gesellschaft sehen wir häufig die pathogene Form einer blockierten Holzenergie. Sie wird Leber-Qi-Stagnation genannt und entsteht als Folge von Stress, Frustration, Ungerechtigkeit oder Zeitdruck. Auch die Ernährung belastet die Leber. Zu viel Fett, tierische Proteine, Alkohol und Zucker sind die Übeltäter. Anzeichen hierfür sind neben den Emotionen auch Nackenverspannungen, Migräne, Verdauungsprobleme, Menstruationsschmerzen und Schlafstörungen. Der Holzenergie wird der saure Geschmack zugeordnet. Allerlei Beerensorten, Äpfel Orangen, sauervergorene Milchprodukte, Sauerkraut, Tomate, Rhabarber, Weisswein und Prosecco bringen eine aus dem Gleichgewicht geratene Leberenergie wieder in Fluss.
Das Element Feuer
Dem Feuerelement wird die lebhafteste Phase des Jahres zugeordnet. Es ist die Zeit, an dem die Tage lang sind und uns mit intensiver Sonneneinstrahlung verwöhnen. Der längste Tag und die kürzeste Nacht des Jahres ist zur Sommer-Sonnenwende am 21. Juni. Das maximale Yang ist erreicht. Der Sommer wird auch als das „Grosse Yang“ bezeichnet. Das Yang dominiert gegenüber dem Yin. Es ist Hochsommer. Yang ist das äusserliche, männliche und aktive Prinzip. Die Natur ist aktiv, Pflanzen wachsen und gedeihen. Die Feuerqualität im Menschen zeigt sich durch seine Ausstrahlung, durch sein Charisma, seinen Charme, seinen Esprit und durch sein Shen, das sich aus Sicht der TCM über die Augen öffnet. Mit dem Shen ist das Bewusstsein des Menschen gemeint. Es ist das Strahlen in den Augen und das weit geöffnete Herz, das einem Menschen mit starkem Shen eine fesselnde Aura verleiht. Wenn das Element Feuer im Gleichgewicht ist, nimmt ein Mensch aktiv und aus vollem Herzen am Leben teil. Er trägt eine natürliche Autorität in sich. Auf körperlicher Ebene finden wir diese Autorität und Herrscherqualität im Herzen. Herz und Dünndarm werden der Feuerqualität zugeordnet. Die Emotion des Elements Feuer ist die Freude. Harmonische, natürliche Freude stärkt unser Herz und unseren Geist. Nimmt die Freude manische oder hektische Formen an, kann dies schädliche Auswirkungen auf Körper und Geist haben. Begierde wäre ebenfalls eine pathologische Form des Feuerelements. Zeitgemäss wäre hier die allseits sichtbare Ablenkung in Form von Unterhaltung, Essen, Arbeit, Internet, Smartphone, TV und Social Media zu finden. Diese innere Begierde kann zu einem Ungleichgewicht im Feuerelement führen, wenn sie zu stark ist. Sowohl in der westlichen Medizin als auch in der TCM werden dem Herzen die Aufgaben zugeteilt, Blut und Qi im Körper zu verteilen. Die Aufgabe des Dünndarms ist es, wertvolle Nahrungsbestandteile wie Kohlenhydrate, Proteine und Fette aufzuspalten und in ihre Bestandteile zu zerlegen. Diese werden dann in den Blutkreislauf übergeben und in die Zellen aufgenommen. Unbrauchbare Nahrungsbestandteile werden an den Dickdarm zur Ausscheidung weitergeleitet. Der Dünndarm hat demnach sowohl auf körperlicher als auch auf geistiger Ebene die Aufgabe, das Reine vom Unreinen zu trennen. Ein Mensch mit gesundem Feuerelement ist fähig, richtige Entscheidungen zu treffen. Dem Feuerelement wird der bittere Geschmack zugeordnet. Fleischsorten wie Lamm, Rind, Ziege vor allem in gegrillter Form sowie Kakao, Kaffee, Schwarztee, Bitterlikör, Glühwein, Cognac und Rotwein wirken erhitzend und verursachen ein Ungleichgewicht im Feuerelement.
Das Element Metall
Dem Metallelement ist die Übergangszeit zwischen Sommer und Winter zuzuordnen. Die Tag-und-Nacht-Gleiche am 21. September fordert uns unmissverständlich auf, den Herbst willkommen zu heissen. Die Natur wird trocken und beginnt zu verwelken und zu sterben. Sie zieht sich in sich selbst zurück. Letztlich befreit sie sich von unnötigem Ballast und holt all die wertvollen Pflanzensäfte ins Innere, um sich auf das Neue, noch nicht Sichtbare zu konzentrieren und vorzubereiten. Wir beschreiten mit beginnendem Herbst die Zeit, in der das Yin die Zeitqualität übernimmt. Er wird auch als „Kleines Yin“ bezeichnet. Yin steht für das weibliche, nährende und passive Prinzip. Alles im Aussen wird still. Es ist ein Abschied auf Zeit, den die Natur vornimmt. Mit dem einzigen Ziel, im Frühjahr neu geboren zu werden. Wenn wir Menschen im Takt mit den jahreszeitlichen Rhythmen gehen, spüren wir im Herbst oftmals eine Zeit der Trauer und Traurigkeit in uns. Die herbstliche Energie lässt uns trübe, antriebslos und schwer werden. So ist es nicht verwunderlich, dass dem Metallelement die Emotion der Traurigkeit zugeordnet wird. So wie die Yin-Zeitqualität die Energien nach innen zieht, begegnen wir im Herbst auch unserem Innersten. Mit sämtlichen Gefühlen und Emotionen, die im Laufe des Jahres noch keinen Platz im lebhaften Alltag hatten. In dieser ruhigen Jahreszeit kann sich unser Energiesystem neu regenerieren. Die Batterien laden sich auf. Luft, Lungen und gesamtes Atmungssystem werden dem Metall-Element zugeordnet, ausserdem der Dickdarm und die Haut. Frische saubere Luft, gesunde, vollwertige Ernährung und eine funktionierende Verdauung stärken das Metall-Element. Im Dickdarm sitzt ein Grossteil unseres Immunsystems, das uns in der Erkältungszeit gegen äusserliche Erreger schützt. Hautprobleme haben ihre Ursache oft in einem kranken Darmmilieu. Den Lungen wird der scharfe Geschmack zugeordnet. Wildfleisch, verschiedene Kräuter und Gewürze wie z.B. Ingwer, Pfeffer, Chili und Curry, Senf, Rosmarin, Basilikum, Oregano stärken die Lungen und sollten in keiner Herbstküche fehlen.
Das Element Erde
Das Erdelement wird als eine Art Übergangszeit beschrieben. Es steht im jahreszeitlichen Rhythmus viermal zwischen den Elementen Wasser, Holz, Feuer und Metall und wird auch als Dosho-Zeit (oder Dojo-Zeit) bezeichnet. Diese Übergangszeiten tragen eine gewisse Instabilität in sich. Wenn sich das Alte verabschiedet und das Neue noch nicht sichtbar ist, kann es leicht zu einem Ungleichgewicht kommen. Das Element Erde wird aus Sicht der TCM als äusserst wichtiges Element betrachtet. Die Erde ist unsere Mitte. Ihm werden Magen, Milz, Pankreas, die Muskeln und das Bindegewebe zugeordnet. Das Erdelement ist grundsätzlich für die Nahrungsaufnahme und Verstoffwechselung zuständig. Wie die Nabe eines Rades sitzt sie in der Mitte der verbleibenden vier Elemente und trägt für das Gleichgewicht eine herausragende Wichtigkeit. Ist das Element Erde nicht im Gleichgewicht, können Magen und Milz ihrer Verdauungsfunktion nicht nachkommen. Es entsteht Feuchtigkeit – eine Art Schlackenstoffe, die sich im Körper mit einem Schweregefühl bemerkbar machen können. Schwere Beine, schwere Gedanken, aufgedunsenes und schwammiges Gewebe, mangelnde Motivation. Die Emotion der Erde ist das Grübeln. Ständiges Sorgen, Grübeln und im Kreis herum denken wirft uns aus unserer Mitte heraus. Das dem Erdelement zugeordnete Bindegewebe hat die Aufgabe, Muskeln, Knochen und Organe miteinander zu verbinden. Bindung bedeutet Stabilität. Sowohl auf körperlicher als auch auf geistiger Ebene. Besitzen wir eine stabile Mitte, sprich ein gesundes Erd-Element, sind wir geerdet und stehen mit beiden Beinen fest im Leben. Der Mensch zwischen Himmel und Erde, wie es der Daoismus oder auch die Philosophie des IGing beschreibt, verleiht dem Menschen die Verwurzelung zur Erde und die geistige Verbindung zum Himmel. Es ist als eine Art höheres Bewusstsein anzusehen, die den „One-Spirit-Gedanken“ in sich trägt, dass alles mit allem verbunden ist. Dem Element Erde wird der süsse Geschmack zugeordnet. Viele Getreidesorten, Knollen- und Wurzelgemüse, Milchprodukte und Nüsse gehören zu diesem wichtigen Element. Eine regelmässige Nahrungsaufnahmen bestehend aus ausgewogenen Vollkornprodukten und Gemüsesorten stärkt unsere Mitte. Dosho-Zeiten bieten sich als Entlastungstage für unseren Organismus an. Es ist die perfekte Zeit, um Gewohnheiten zu ändern, die Ernährung umzustellen und sich verstärkt um seinen Körper und dessen Gesundheit zu kümmern.
Die vier Dosho-Zeiten während des Jahres sind:
27. Januar bis 12. Februar vom Winter in den Frühling (von Wasser zu Holz)
27. April bis 16. Mai vom Frühling in den Sommer (von Holz zu Feuer)
28. Juli bis 15. August vom Sommer in den Herbst (von Feuer zu Metall)
28. Oktober bis 15. November vom Herbst in den Winter (von Metall zu Wasser)
Wir hoffen, Ihnen mit diesem Artikel die fünf Elementen näher gebracht zu haben. In der Praxis wenden wir unser Wissen über die 5 Elemente regelmässig an. Kommt beispielsweise ein Patient mit regelmässigen Migränebeschwerden zu uns, versuchen wir in Therapie, etwaige Stagnationen im Leber-/Gallenblasenkreislauf zu beseitigen. Bei regelmässigen Schmerzen in der Lendenwirbelsäule stärken wir die Nierenkraft. Wir stehen Ihnen mit weiteren Informationen gerne persönlich zur Seite. Unser aufgestelltes Team von sehr gut ausgebildeten Therapeutinnen freut sich über Ihre Kontaktaufnahme.