Wir kennen den Ausdruck: „Mir geht etwas an dieNieren“. Oft hat dieses „Etwas“ mit einem hohen Lebenstempo zu tun, mitkörperlicher und geistiger Überlastung, mit mangelndem sozialem Umfeld, mit Einsamkeitund fehlender Wertschätzung. Wenn solche Lebensumstände an die Nieren gehen,kann daraus Angst entstehen. Gefühle sind wichtige Wegweiser in unserem Leben.Die Angst trägt grundsätzlich eine Botschaft in sich. Sie warnt uns, will unsbeschützen und zur Vorsicht aufrufen. Wenn Ängste allerdings längerfristig unserenAlltag dominieren und das eigentliche Leben stark einschränken oder gar dominieren,werden sie behandlungsbedürftig.
Wenn wir das Thema Angst evolutionstheoretischbetrachten, erkennen wir, dass Angst ein wichtiges Gefühl war. Dieüberlebenswichtige Emotion warnte den Menschen vor Gefahren. Mit einer akutenStressreaktion löste der Körper blitzschnell eine Schutzreaktion aus undsicherte das Überleben durch Kampf oder Flucht. Die Gefahren in unsererGesellschaft haben sich heutzutage verändert. Das Raubtier im Urwald ist sehrwahrscheinlich in den wenigsten Fällen für Stress verantwortlich. Ängsteveränderten sich im Laufe der Zeit. Anfang des letzten Jahrhunderts entwickeltesich eine Art Beschleunigungstrauma. Zugreisende bekamen Ängste und Beschwerdendurch schnelle Zugfahrten, obwohl diese bei unter 50 km/h lagen. Heute reagiertder Körper auf Leistungsdruck, Überforderung und ein zu schnelles Lebenstempo. Dochder Körper kann dies nicht unterscheiden. Er reagiert auch heute noch, wie erschon vor 10000 Jahren reagiert hat - mit einer stetigen Ausschüttung anStresshormonen und anderen Botenstoffen. Meist werden diese nicht oder nur ungenügendabgebaut werden. Mittelfristig können sie für eine Überlastung des vegetativenNervensystems sorgen und einen chronischen Stresszustand im Körper hervorrufen,begleitet von Herzrasen, Atemnot, Schwindel, Zittern, Schwitzen und Übelkeit.Langfristig kann die Lebensqualität stark beeinträchtigt werden. Es tretenSchlaflosigkeit, chronische Nervosität und allgemeine Erschöpfungszustände auf.
Die Angst zeigt sich in unterschiedlichen Formen.Für manche Ängste gibt es keinen rationalen Grund, wie beispielsweise die Angstvor einer schweren Erkrankung trotz bester Gesundheit. Manche Ängste zeigensich abhängig von einer bestimmten Situation oder einem Umstand, wiebeispielsweise Angst vor Menschenansammlungen, Spinnen, Prüfungen, Dunkelheitoder Höhen. Andere Ängste wiederum sind die Angst vor der Angst – einTeufelskreislauf. Ängste können Menschen in sämtlichen Lebensphasen befallen. Infrüher Kindheit, während der Wechseljahre, nach der Geburt eines Kindes, unterLeistungsdruck. Sind Ängste an bestimmte Situationen oder Orte gebunden,versuchen Patienten verständlicherweise, diese zu vermeiden. In derSchulmedizin wird Angst als psychische Störung behandelt. In der Behandlungsstrategieder TCM geht es in erster Linie darum, den körperlichen Zustand des Patientenzu stärken. Es geht darum, den Patienten zu einer guten Ernährung zumotivieren, ihn zu überzeugen, dass eine achtsame Lebensführung mitausreichenden Ruhephasen und einer hohen Schlafqualität den Körper zurück insGleichgewicht bringt.
Um die Achse zwischen Nieren und Herz zustabilisieren, hilft uns die Mitte. Eine starke Mitte, kann als Art Vermittlergesehen werden, die für Ruhe und Kraft sorgt. Die Mitte ist aus Sicht der TCMunser Verdauungssystem. Wir können unseren Körper mit Hilfe der Ernährungunterstützen. Dies tun wir am besten mit drei wertvollen, hochwertigen undfrisch zubereiteten Mahlzeiten am Tag - warm und gekocht, mit Gewürzen undKräutern versehen, in Ruhe eingenommen. In einer akuten Angstphase (und auchpräventiv) hilft ausserdem die Philosophie aus Yoga und Meditation. Konzentriertes,ruhiges Einatmen und langes, bewusstes Ausatmen. Legen Sie hierzu eine Hand aufden Bauchnabel. Beobachten Sie Ihren Brustkorb und Bauch, wie sich beides beimEinatmen hebt. Halten Sie kurz inne. Spüren Sie nun beim anschliessendenAusatmen, wie sich Ihr Brustkorb und die Hand auf Ihrem Bauch in RichtungWirbelsäule senken. Bleiben Sie für einige Sekunden in dieser Wahrnehmung, bevorSie den nächsten tiefen Atemzug nehmen. Ein – Aus – Pause – Ein – Aus – Pause. Siekönnen ausserdem durch sanfte Druckmassage einen sehr wichtigen Nierenpunktstimulieren, der auf der Fusssohle liegt. Niere 1 (Yongquan) ist der erstePunkt der Leitbahn. Er wird auch „Sprudelnde Quelle“ genannt. Sie erreichen ihnam besten, wenn Sie sich in den Schneidersitz setzen. Der Punkt befindet sichim Bereich des Übergangs vom vorderen zum mittleren Drittel der Fusssohle inder Mitte des Fussballens. Drücken Sie den Punkt mit dem Daumen. Mal tiefer,mal oberflächlicher, lassen Sie Ihren Daumen darauf Pirouetten drehen. AtmenSie mit ihrer Drucktechnik im Gleichklang. In den Nieren sitzt die stärksteKraft und die grösste Reserve für ein stabiles Körpersystem.
Lernen Sie, ihren Körper zu verstehen und dem Lebenwieder Vertrauen zu schenken – es meint es gut mit Ihnen. Vielleicht schaffenSie es, diese beiden Übungen in Ihren Alltag zu integrieren. Mit der Zeitwerden Sie merken, dass der Geist Ihres Herzens wieder zu strahlen beginnt. Wirunterstützen Sie bei Angststörungen gerne zusätzlich in unserer Praxis. MitAkupunktur, TuiNa-Techniken, Kräuterrezepturen und Wärmeanwendungen schützenund stärken wir Ihre Nierenkraft. Gerne helfen wir Ihnen, der Freude und Begeisterungin Ihrem Leben wieder einen Platz zu geben.