Stechtiefe
Wie tief unter die Haut werden die Akupunkturnadeln eigentlich gestochen? Die Stechtiefe ist abhängig von Konstitution und Alter des Patienten, von der Art der Erkrankung und der Jahreszeit. Eine tiefere Stechtechnik erfolgt bei adipösen und jüngeren Patienten. Ebenfalls bei chronisch kranken Patienten, an muskelreichen Körperstellen und im Herbst bzw. Winter, da sich die Körperenergie «Qi» zu diesen Jahreszeiten tiefer im Körperinneren befindet. Eine flachere Stechtechnik erfolgt bei sogenannten Asthenikern. Das sind Patienten mit schmalem, schmächtigem und muskelarmem Körperbau. Auch bei Kindern, älteren Patienten sowie akuten Erkrankungen und generell an muskelarmen Stellen. Jahreszeitlich wird diese Stechtechnik im Frühling und Sommer bevorzugt, da sich das Qi näher unter der Hautoberfläche befindet.
Nadeltechniken
Es gibt verschiedene Nadeltechniken in der TCM, die wir Ihnen an dieser Stelle kurz vorstellen möchten. Bei der Mehrnadeltechnik gibt es neben der Hautnadel noch weitere Nadeln, die im direkten Umfeld zur Akupunkturstelle gestochen werden. Bei der Nebennadel-Technik wird eine zweite Nadel in der Mitte der Akupunkturstelle gesetzt. Bei der Reihennadel-Technik wird sie durch eine dritte, in Reihe gesetzte Nadel ergänzt. Bei der sogenannten Streunadeln-Technik werden neben der Nadel in der Mitte der Akupunkturstelle vier weitere Nadeln im Quadrat mit gleichem Abstand zur mittleren Nadel gesetzt. Und dann gibt es noch die Kreisnadeln-Technik, die in beliebiger Anzahl weitere Nadeln kreisförmig um die Hauptnadel anordnet. Alle Techniken haben gemeinsam, dass die gewünschte Wirkung verstärkt wird. Die Nadelverweildauer ist jeweils abhängig von der Art der Erkrankung, von Alter, Konstitution und individueller Empfindlichkeit des Patienten. Meist sind es 20-30 Minuten. Bei akuten Erkältungskrankheiten oder bei Kindern unter 6 Jahren und älteren Menschen verbleiben die Nadeln manchmal nur wenige Sekunden in der Haut.
De-Qi
Bei jeder Akupunkturbehandlung ist für uns TherapeutInnen wichtig, die De-Qi-Sensation zu erreichen. Es ist ein Kriterium, das anzeigt, ob ein Punkt in seiner Lokalisation und Tiefe richtig getroffen und aktiviert wurde. Mit dem De-Qi erreichen wir das Qi, das in den Meridianen fliesst. Wird die Nadel in die Muskelschicht gestochen (je nach Lokalisation ca. 5-30 mm tief), kann die De-Qi-Sensation am leichtesten erzielt und weiterbewegt werden. Ist es erreicht, empfinden wir TherapeutInnen einen leicht zusammenziehenden Widerstand bei der Nadelbewegung. Der Patient verspürt nach dem spitzen Nadeleinstich länger dauernde, unterschiedliche Nadelsensationen wie z.B. einen dumpfen, wellenförmigen Schmerz, Pulsieren, Zusammenziehen, Schwere- oder Wärmeempfindung oder eine elektrisierende Ausstrahlung am Punkt oder in dumpfer Ausbreitung im Meridianverlauf.
Stimulationsmethoden
Es gibt klassische Stimulationsmethoden. Die Basisstimulation ist eine hebende und senkende Technik. Nach Erreichen der Punkttiefe wird die Nadel wiederholt gleichmässig in die tiefere Schicht gesenkt und wieder in die oberflächlichere Schicht zurückgezogen. Bei der sogenannten Drehtechnik wird nach Erreichen der Punkttiefe die Nadel mit Daumen und Zeigefinger hin- und hergedreht. Bei der Streichtechnik wird der Griff der eingestochenen Nadel vorsichtig gedrückt, um sie zu befestigen. Dabei streicht der Therapeut mit Zeige- und Mittelfinger von unten nach oben über den Griff. Bei der Klopftechnik lässt der Therapeut mehrmals seinen Zeige- oder Mittelfinger auf den Griff der eingestochenen Nadel schnellen. Und bei der Wipptechnik werden mit dem Nadelgriff wippende oder kreisende Bewegungen durchgeführt. Es gibt noch eine weitere Technik mit dem interessanten Namen «Hühnerkralle». Hierbei wird die Nadel nach dem Einstich in das Körpergewebe wieder ein Stück herausgezogen, die Spitze verbleibt in der Haut. Die Nadel wird anschliessend mehrmals in unterschiedlichen Winkeln wieder ins Gewebe geschoben. Diese Technik wird hauptsächlich bei Myalgien verwendet.
Dürfen wir Sie mit unserem Wissen unterstützen? Vereinbaren Sie bei Beschwerden gerne einen Termin in unserer Praxis. Wir sind für Sie da.
Quellenangaben: Leitfaden Chinesische Medizin, Claudia Focks und Norman Hillenbrand)