Akupunkturtechniken Teil 1

Damit eine Akupunkturbehandlung möglichst schmerzlos abläuft, verwenden wir in unseren Therapien Einmalnadeln, die mit Silikon beschichtet sind. Der Einstichschmerz in die Haut ist dadurch sehr gering, oftmals ist er gar nicht spürbar. Durch die Silikonbeschichtung lässt sich die Nadel mühelos ins Gewebe vorschieben.

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Sterile Akupunktur-Nadeln in einer Verpackung auf einem Tisch neben zwei kleinen Pflanzen.

Wir verwenden in unserer Praxis Nadeln in unterschiedlicher Dicke (von 0.15 bis 0.35 mm) und Länge (von 15 bis 60 mm). Bei der Körperakupunktur kommen meist Nadeln zum Einsatz, die zwischen 25-50 mm lang sind. Kürzere Nadeln mit weniger als 15 mm kommen für muskelarme Bereiche in Frage, z.B. an den Ohren oder im Gesicht. Auch verwenden wir die kurzen Nadeln gerne bei Kleinkindern oder bei schmerzempfindlichen Patienten. Längere Nadeln mit über 40 mm Länge verwenden wir für muskelreiche Körperregionen wie Gesäss und Oberschenkel. 

Es gibt verschiedene Einstichmethoden; diese sind abhängig von der punktierten Körperregion. 

  • Bei der Hautzwickmethode wird die Haut an der Akupunkturstelle mit der einen Hand hervorgezogen, während die Nadel mit der anderen Hand unter Herumdrehen und Drücken eingestochen wird. Diese Technik wird bei muskelarmen Körperregionen angewandt.  
  • Die sogenannte Dehnungsmethode kommt bei älteren Patienten zum Einsatz, bei denen die Haut tendenziell schlaffer ist. Aber auch bei adipösen Patienten im Bauchbereich. Hierbei wird über dem Akupunkturpunkt die Haut mit Daumen und Zeigefinger der einen Hand gedehnt und gespannt, um einen schnellen Hautdurchstich zu ermöglichen. 
  • Bei der Lange-Nadel-Methode wird der Nadelschaft mit steriler Watte umhüllt und mit der linken Hand umfasst, während die rechte Hand den Nadelgriff fasst. Das Einführen der Nadel erfolgt unter gleichzeitigem Drücken und Drehen. 
  • Bei der Fingernageldrückmethode drückt die Therapeutin mit dem Daumennagel der linken Hand in den gewünschten Punktbereich, um die Nadel gezielt und schnell durch die Haut führen zu können. Mit der rechten Hand erfolgt mit rascher Bewegung der Einstich, während gleichzeitig die linke Hand sanft angehoben und die Haut losgelassen wird. 
  • Bei der Punktionsmethode wird die Nadel mit Daumen und Zeigefinger kurz vor der Nadelspitze fixiert und rasch in die Haut des Patienten gestochen. 
  • Bei der Fingerdrückmethode wird die Nadel mit Daumen und Zeigefinger der rechten Hand in der Nähe der Nadelwurzel gehalten. Mit dem Mittel- oder Ringfinger drückt die Therapeutin den Rand der Akupunkturstelle, während sie die Nadel entlang des Fingers lenkt und unter schnellem Drücken und Drehen der Nadel die Haut durchsticht. 

Auch kommen verschiedene Einstichwinkel zum Einsatz. Ein senkrechter Einstich von 90 Grad erfolgt im Lendenbereich, am Gesäss, am Bauch und meist an den Extremitäten mit dicker Muskel- und Fettschicht. Ein schräger Einstich von 30-60 Grad erfolgt bei dünner Muskelschicht oder in der Nähe von anatomischen Strukturen. Manchmal ist ein flacher oder fast horizontaler Einstich von weniger als 20 Grad notwendig. Dieser erfolgt an Akupunkturstellen mit sehr dünner Muskel- und Fettschicht, wie beispielsweise am Schädelknochen. 

Im nachfolgenden zweiten Teil erfahren Sie mehr über Stimulationstechniken und Dynamiken beim Stechen der Akupunkturnadeln sowie über die unterschiedlichen Stichtiefen ins Gewebe. 

Quellenangaben: Leitfaden Chinesische Medizin, Claudia Focks und Norman Hillenbrand)